Strukturiertes Chaos - der Podcast zwischen Plan und Pointe

Besser spät als nie

Prof. Dr. Sebastian Allegretti & Philipp F. East Season 1 Episode 18

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0:00 | 17:33

In dieser Folge geht es um Einsicht, Entwicklung – und den Mut, Dinge auch dann noch anzupacken, wenn andere längst aufgegeben haben.
„Besser spät als nie“ klingt wie eine Ausrede für Verspätung. Doch ursprünglich steckt viel mehr dahinter: eine moralische Haltung aus der Antike. Handeln ist wertvoller als Nichtstun. Erkenntnis zählt – auch wenn sie später kommt.

🔹 Warum der „richtige Zeitpunkt“ oft eine Illusion ist
🔹 Weshalb Meinungsänderung kein Zeichen von Schwäche ist
🔹 Und wieso Umwege manchmal genau der richtige Weg sind

Wir sprechen über zweite Bildungswege, Studienabbrüche, neue Hobbys mit achtzig, Karrieredruck und gesellschaftliche Erwartungen. Über Reife, Neugier und das Recht, sich neu zu entscheiden.
Und darüber, dass es keinen festen Zeitplan für Entwicklung gibt – weder im Leben noch im Beruf.

Eine Folge für alle, die sich fragen, ob es zu spät ist für einen Neuanfang.
Spoiler: Ist es nicht.

Feedback zur Folge? Schick uns gerne eine Nachricht.

SPEAKER_02

Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Strukturiertem Chaos. Mein Name ist Sebastian, ich stehe für die Struktur.

SPEAKER_01

Und meiner Philipp und ich Bellas Chaos sind jetzt schon viele zu früh reingebabbelt. Chaos halt. Philipp, ja, hau mal raus. Um was geht es heute? Um Potius Sero Quamquam. Oh! Großes oder kleines Latinum? Ich hab die kleine Latina. Besser spät als nie. Hier ist auch der Ursprung, lässt sich in die Antike zurückverfolgen. Diese Wendung taucht in römischen Texten auf und drückt aus, dass verspätetes Handeln einem völligen Unterlassen vorzuziehen ist. Handlung ist moralisch wertvoller als Untätigkeit. Der richtige Zeitpunkt ist ideal, aber nicht Voraussetzung für Sinn. Im Mittelalter wurde der Gedanke in Predigten und Morallernen übernommen. Dort ging es vor allem um Reue und Umkehr. Späte Einsicht war besser als keine Einsicht. Späte Bekehrung besser als keine. Das Sprichwort hat also ursprünglich eine moralische und religiöse Dimension, nicht nur eine organisatorische. In der modernen Verwendung zur Entschuldigung, zur Ermutigung, zur Relativierung von Verspätungen. Besser spät als nie. Richtig.

SPEAKER_02

Gott sei Dank ist ja aus dir noch was geworden.

SPEAKER_01

Wow.

SPEAKER_02

Besser spät als nie. So, wir merken, genau, also das ist Entschuldigung für diese kleine Spitze, die war jetzt einfach nur rein hypothetisch. Mit einem Fünffchen war halt. Ja, aber das ist ja auch nicht auch so. Also wenn man sich die Entwicklung anschaut, besser spät als nie, wird sich als das sagen die ein oder anderen Eltern vielleicht über ihr Kind, so jetzt ist er zur Vernunft kommen, Tabu oder das Mädle. Genau, ja. Aber es ist ganz interessant. Also, das ist dieses, was du gerade eben auch gesagt hast. Es geht nicht leider darum, um den richtigen Zeitpunkt, sondern um das Ergebnis. Also lasst uns über Ergebnisse reden. Es ist auch ganz interessant, wenn ich so ein bisschen zurückgehe in meine Schulzeit. Ich habe ja Realschule gemacht und dann war ich auf dem technischen Gymnasium. Realschule war ganz gut, das hat alles so funktioniert. Dann war ich auf dem technischen Gymnasium, da hatte ich aber irgendwie jetzt. Es lag an die Lehre, ja, es lag wirklich an den Lehrern. Das muss man so sagen. Da war ich jetzt nicht so der Überflieger. Habe aber dann im Studium, ich habe ja viel studiert, also auch immer fertig gemacht. Ich habe jedes Jahr mit einer 1-0 abgeschlossen. Also mein Ingenieurstudium mit 1-0, mein Betriebswirtschaftsstudium mit 1-0, meinem Psychologiestudium mit 1-0, die Promotion fast 1-0, besser spät als nie. So, wenn ich jetzt meine ehemalige Deutschlehrerin, Frau H. Shoutout vor H. Ja, ja, die damals so ein kleines bisschen gesagt hat, ja, aus dem wird nichts, ja, Pustekuchen. Und das ist nämlich auch dieses besser spät als nie, wenn wir uns zu früh so ein kleines bisschen, also wenn wir zu früh uns eine Meinung bilden, zum Beispiel über jemanden vor allen Dingen, wenn es jetzt, ähm, wenn es jetzt junge Menschen sind. Ich weiß noch damals, wie gesagt, ich war auf dem technischen Gymnasium. Als ich rausgekommen bin, als ich mal ein Abi habe, habe ich gesagt, ich will nie wieder was mit Technik zu tun haben. Heute bin ich Ingenieur. Also das ist auch so ein kleines bisschen dieses, diese lieber spät als nie. Man beurteilen auch gar nicht zu früh. Ah, jetzt müsste man doch eigentlich perfekt sein und alles Mögliche. Kommt dir das bekannt vor?

SPEAKER_01

Jeder macht das irgendwie, glaube ich, oder jede, dass man erstmal seine Meinung rausschießt. Ich finde es aber dann auch vollkommen legitim zu sagen, ah, ich habe mich vertan. Ich möchte meine Meinung dazu ändern. Weil, sei es durch Erfahrungen oder durch vorschnelles Handeln oder sowas, ist es dann teilweise wirklich in Ordnung, dass man sagt, ah, das war jetzt vielleicht falsch für mich. Und das ist ja auch philosophisch zu sehen, dass man sich immer mal hinterfragen sollte, ist das jetzt noch richtig? Oder so, meine Zeit ändert sich und auch Meinungen und Ansichten ändern sich einfach und dementsprechend ist es auch vollkommen in Ordnung zu sagen, ich sehe es doch ein bisschen anders. Und es hat nichts damit zu tun, dass ich irgendwie kein Rückgrat habe oder sowas, sondern es ist einfach, Szenerien ändern sich. Ja. Also ändert sich meine Meinung auch. Oder halt eben auch nicht.

SPEAKER_02

Besser später als nie. Das ist, ich fand es auch interessant, was du gerade in deiner Ausarbeitung gesagt hast, dass es da darum geht, dass es wichtiger ist, eine Handlung abzuschließen, als der richtige Zeitpunkt oder der passende Zeitpunkt für diese Handlung dann zu haben. Das heißt ja eben auch diese Erkenntnis, wo wir haben, zum Schluss, also es gibt es ja auch, ich bin jetzt nicht wirklich der Gläubigste, aber es gibt ja dann auch ganz, ganz viele, die fast auf dem Sterbebett eigentlich zum Glauben finden. Und dann könnte man ja jetzt auch sagen, ja, pusht die Kuchen, das war jetzt zu spät. Aber so ist es ja gar nicht. Also dieses, dieses, dieses Einsichtige, was du gerade auch gesagt hast, aber auch dieses, jetzt habe ich die Erkenntnis. Ich habe eine neue Erkenntnis bekommen, ja.

SPEAKER_01

Eben, das heißt, durch irgendwelche Gegebenheiten oder man hat nochmal was nachgelesen oder was auch immer. Also das ist dann wirklich vollkommen legitim zu sagen, ich revidiere meine Meinung nochmal.

SPEAKER_02

Ja, ja. Und es heißt eben auch, es lohnt sich trotzdem noch. Also es ist ja auch zum Beispiel so etwas, als Beispiel, wenn man, wenn man Rauche ist oder so etwas und dann, keine Ahnung, dann ist man jetzt schon 60 oder 70 und sagt, es lohnt sich auch nicht mehr aufzuhören. Doch, warum nicht? Ja, es ist auch so etwas. Oder was auch ganz interessant ist, was ich auch oft oft erlebe, ist dieses, wenn Personen irgendwann mal den zweiten Bildungsweg gehen und dann bemerken, ah okay, mich interessiert jetzt ein Thema, ich bin jetzt auch viel, viel Reife, man braucht auch eine gewisse Reife, um gewisse Sachen zu machen und dann auch zu studieren anfangen.

SPEAKER_01

Ja voll.

SPEAKER_02

Also ich hatte auch mal jemand bei mir an der Hochschule mit dabei, der saß da drin und dann habe ich gedacht, Moment, ist das jetzt ein Kollege? Was macht der hier so in etwa? Also einiges älter als ich. Und der hat studiert. Also der war, ich sag jetzt mal, Mitte 50 und hat ganz normal mitstudiert. Und das ist ja auch interessant. Es gibt ja, es gibt ja viele Universitäten, die eben dann auch, auch für Personen in der Rente, die ja Zeit haben, es ermöglichen, also Studium Generale, dass man da auch an Vorlesungen mit teilnehmen kann. Man ist nicht teil in diesem Vorlesungsapparat im Sinne von, dass man Klausuren da dazu schreibt, dass man dann den Abschluss hat. Die machen das nur aus reinem Interesse.

SPEAKER_01

Da gibt es doch, das habe ich letztens gelesen, es ist, glaube ich, in Polen so einer, der ist 85 schon. Und der muss so eine Klausur schreiben und der hat es, glaube ich, schon x-mal nicht abgeschlossen gehabt. Und er wiederholt es immer wieder. Und das finde ich schon cool, auch wenn man dann sagt, so im Alter, erstens habe ich einem erzeugt, meistens im Alter und so, wenn du dann eben offen für solche Sachen bleibst, finde ich das total gut. Ja. Und auch neue Hobbys. Ja, gut.

SPEAKER_02

Also man ist nie zu alt für irgendetwas. Manche Sachen schon. Manche Sachen vielleicht schon. Also ich würde jetzt nicht hier irgendwie aus dem Flugzeug mit 99 noch springen oder so. Kann man machen, einmal kann man es auf jeden Fall machen. Einmal geht übrigens alles. Ja, aber es ist auch interessant. Also es ist wirklich dieses, hey, hey, trau dich doch. Lebenslanges Lernen steckt da dahinter. Also man lernt halt da auch wirklich nie aus. Also man ist ja wirklich immer mit dabei. Und wir müssen uns so ein kleines bisschen verabschieden, von wann ist der richtige Zeitpunkt. Und ganz ehrlich an alle Eltern unter euch, wenn ihr mal Kinder habt, die vielleicht mal schlechte Noten nach Hause bringen oder so etwas. So tragisch ist das nicht. Also.

SPEAKER_01

Nee, also irgendwann kommt die Einsicht. Ich bin da, glaube ich, das beste Beispiel für, weil ich war wirklich schlecht, also ich habe einfach, mich hat es einfach nicht interessiert, muss ich ganz ehrlich sagen. Ich habe auch einen wirklich einen schlechten, ich habe jetzt Realschule gemacht, richtig, richtig schlecht. Einen ganz schlechten Schnitt, ist auch egal wie schlecht, es war einfach nicht gut. Und mich hat es einfach nicht interessiert. Und so. Und ich glaube, ich will es jetzt nicht unbedingt auch auf die Lehrer schieben oder so, was ich war einfach ein fauler Hund. Und ich finde schon, dass jetzt so im Nachgang mich andere Dinge interessiert. Und ich bin sehr offen für Dinge auch. Ich bin neugierig. Das ist dieser Punkt, dass man neugierig bleibt. Und auch hier ein Beispiel: Ich habe ja eine deutsche Seite und eine englische Wurzel und so, und gerade auf der, ich habe da den krassen Vergleich auch so. Die deutsche Oma ist so mehr oder minder dahin vegetiert, was ich total schade fand. Und wenn ich dann die englische Seite gesehen habe, meine englische Oma, wie offen und neugierig die Supps für Technologien einfach, weil die wollte wissen, wie das funktioniert. Sie hat ein iPad, sie hat E-Mails geschrieben mit 86 oder so. Und das finde ich total cool, dass man eben so dieses Mindset einfach auch hat, offen für Dinge zu bleiben und einfach auszubilden. Und besser spät als nie eben. Einfach mal mit, was ich mit 80 noch ein iPad sich zu holen oder so. Finde ich total gut. Absolut.

SPEAKER_02

Absolut, ja, ja. Und das ist es einfach dran. Also dieses Sprichverzöden ist also ein kleines bisschen auch ermahnen, aber auch etwas, wohl man sagen muss, es geht in zwei Richtungen, genau, etwas Ermahnendes, aber auch etwas Motivierendes, genau, ja, besser spät als nie. Jetzt kann man auch interpretieren, jetzt kommt er endlich zur Vernunft. Kann aber eben auch sein, du, besser spät als nie. Du kannst es auch jetzt ausprobieren. Die Zeit ist noch nicht vorbei. Kommt auf die Betonung so ein bisschen wahrscheinlich drauf aus. Und in den Blick da dazu. Das stimmt. Ah, besser spät als nie. Und es ist sehr interessant. Und das kann man eben auch im Berufskontext sehr, sehr gut dann auch mit einbinden. So, weil man muss sich ja auch immer überlegen, das ist auch interessant, wenn man, wenn man jetzt Karrierewege in Unternehmen anschaut, leider gibt es in vielen Unternehmen nur einen einzigen Karriereweg und das ist die Führungslinie. Das heißt, will ich mich weiterentwickeln, muss ich irgendwann Führungskraft fahren. Das liegt halt aber nicht jedem und es muss auch nicht sein. Leider ist es in Unternehmen oft so, dass wir dann, weil wir auf diesen Pfad getrimmt sind, manche Führungskräfte haben, die die besten Mitarbeiter waren, aber keine gute Führungskraft sind. Und viele Unternehmen machen aber auch die Expertenlaufbahn mittlerweile. Also das heißt, ich kann eben mich dann auch in dem, wo ich gut bin, mich weiterentwickeln. Und darum geht es eben auch. Ich muss nicht stehen bleiben. Ich kann mich weiterentwickeln. Ich kann, also ich mag es bei mir auch, bei meinen Studenten, ich habe unterschiedliche Studierende, ich habe welche ganz klar, die kommen direkt nach dem Abitur, sind sie bei mir. Und dann habe ich aber auch mittlerweile ganz, ganz viel. Das ist so ein bisschen der Charakter einer Hochschule anstatt einer Universität. Wir haben viele Studierenden aus dem zweiten Bildungsweg. Zweiter Bildungsweg hört sich auch so negativ an, gell? Oh. Ja, das hört sich so an, so wie, ah ja, okay, man. Rechte Rampe. Rechte Rampe und alles. Ist es aber gar nicht, bitte nicht falsch verstehen. Sondern das bedeutet, die haben eine Ausbildung gemacht, also die haben eine Lehre gemacht, die haben gearbeitet und haben dann bemerkt, ey, ich möchte mehr.

SPEAKER_01

Was ich voll gut finde.

SPEAKER_02

Voll. Und die haben dann ihr Abitur oder ihr Fachabitur dann geschoben oder so. Genau, genau, Meistertechniker haben ja auch viele mit dabei und die dann studieren. Und das sind tatsächlich die in meinen Fächern die besseren Studierenden. Ja, weil sie von sich aus das machen. Genau, sie sind anders motiviert. Und da geht es nämlich eben auch darum, weil wenn ich etwas, wenn ich jetzt das, weil es von mir verlangt wird, das ist jetzt der Zeitpunkt, wo muss ich es machen, das war bei mir genauso nach dem Abitur. Ich musste mich ja dann entscheiden, okay, was will ich denn studieren? Ich habe damals gesagt, ich will nichts mit Technik zu tun haben. Gott sei Dank gab es damals noch bei uns eine Zwangsauszeit, wenn man das so sagen würde. Ich habe dann einen Zivildienst gemacht. Zwangsauszeit. Ja, es war so. Das war also. Das war einfach auch, man muss ja auch sagen, eine gute Entschuldigung. Ganz ehrlich, wenn man heute, wenn man heute vor dich ist, heute ändert sich das gerade wieder, aber wenn man vor zwei, drei Jahren vor dich war, dann hat es Abitur so, dann kam der Druck eben auch auf von allen Jahren. Was machst du jetzt? Was jetzt, was passiert jetzt sofort? So, dieser Moment. Und da ist man manchmal auch noch gar nicht so reif.

SPEAKER_01

Finde ich auch. Also ich weiß es gar nicht, wie alt so deine Studentinnen und Studentinnen im Schnitt so sind. Ich habe ja auch eine Zeit lang an der Hochschule Neurovorlesung gehalten und da waren die so Anfang 20. Und meistens, das habe ich zu denen auch so gesagt, weil ich selber weiß, wie das ist. Meistens weißt du gar nicht in dem Alter, was du überhaupt willst. Du musst, ich finde, du musst dich da erstmal finden, Interessen, Neigung, Neigung klingt ein bisschen falsch, aber halt. Aber du musst erstmal wirklich finden und gucken. Und wenn das dann nicht die richtige ist, dann machst du halt was anderes.

SPEAKER_02

Ich habe auch wenn ich, also um das noch kurz abzuschließen, ich hatte Glück, dass ich diese Auszeit hatte. Weil in der bin ich zu mir gekommen, habe bemerkt, doch, doch, Technik ist was für mich. Und dann habe ich mein Ingenieurstudium begonnen. Ich frage immer, wenn ich meinen Studenten, also wenn das Semester wieder anfängt, ich habe ja nicht die Irrstis, sondern ich bin im Hauptstudium und habe dann so ab viertes Semester. Und wenn ich die dann frage, ich lerne die ja dann kennen, ich kenne die ja davor noch nicht, ja, okay, habt ihr vielleicht schon mal etwas anderes studiert? Und am Anfang war das immer so, da merkt man, okay, wenn dann einer so ganz rumdruckst und sagen, ja, ich habe vielleicht schon mal Mathe studiert und so, hat aber jetzt nicht so ganz funktioniert. So meine Reaktion da dahinter ist doch super, es ist doch toll, jetzt weißt du, dass es nicht deins ist.

SPEAKER_01

Ich habe genau, ich habe genau so reagiert, weil ich habe oft dann BWLer gehabt, die dann aber in einen anderen Studiengang, also in Immok, ich hatte Immuok-Studenten, also internationales Malen. Informationsmanagement und Unternehmenskompatium. Internationales Malen und Leben heißt das auch ein Fachwaggon. Das finde ich total gut, dass du eben gesagt hast, es ist jetzt nicht meins, ich mach jetzt was anderes. Und es hat nichts mit Scheitern zu tun.

SPEAKER_02

Gar nicht, genau. Und das ist, glaube ich, auch das Wichtige dran, dass man besser spät als nie heißt ja eben auch, also diese Einsicht. Und da geht es einfach auch da darum, dass, dass man, dass man relativ, also hoffentlich dann auch realisiert, oh, das ist nicht meines. Meine Frau hat auch Lehramt angefangen zu studieren. Ehrlich? Ja, ja, ja. Und sie hat dann aber eben dann auch für sich dann entschieden, nein, es ist nicht meines. Und ist dann ins Ingenieurstudium gegangen. Cool. So, genau. Hätte das, hätte sie das damals nicht gemacht, hätten wir uns nie kennengelernt. Und das ist es eben auch, diese Einsicht, und das ist jetzt eben auch kein Verlust, besser spät als nie, heißt ja eben auch nicht, dass das davor gescheitert ist, sondern du hast dann deines gefunden. Genau. Und dann ist das in dem Block auch dann glücklicherisch.

SPEAKER_01

Alles richtig gemacht, würde ich sagen.

SPEAKER_02

Absolut, absolut, genau. Und deshalb, wenn man das so ein bisschen zusammenfasst, im Berufskontext, aber natürlich auch so ein bisschen im Leben, es gibt nicht der Zeitpunkt, bis etwas erreicht werden muss. Das spielen wir uns immer vor. Also früher gab es ja, also der schwäbische Spruch, den man kennt, scharfer, scharfe Häusle bauen und so. Ich glaube, wir sorgen auch selber dafür, dass wir einen gesellschaftlichen Druck aufbauen. Also bei uns war das so, als es dann hieß, ah ja, jetzt hätte er ja verheiratet. Und? Wie sieht es mit den Kindern aus? Wann, dann kommen Kinder? Und wir denken, nee, wir planen nicht mit Kindern.

SPEAKER_01

Das ist ja übergriffig, oder?

SPEAKER_02

Ja, aber das ist tatsächlich so. Und deshalb ist es auch dieses, tatsächlich auch dieses kleine bisschen Negative an diesem Sprichwort dran, wo es auch gerne verwundet, ja, besser spät als nie, jetzt ist er so einzig gekommen. Aber darum geht es ja gar nicht. Und deshalb, da wollen wir auch ein kleines bisschen aufräumen mit diesem negativen Touch von diesem Sprichwort, sondern seht es eher als etwas Positives. Der richtige Zeitpunkt ist, entscheidet ihr. Der ist einfach da. Jetzt habe ich das richtige Studium gefunden. Jetzt habe ich meine Passion gefunden. Und darum geht es einfach. Also es geht da darum, diese Vollständigkeit zu haben, wenn man es ja auch will. Und der Weg da dorthin ist egal. Es geht einfach da darum, irgendwann mal ist das Ziel erreicht. Und wenn ihr dann diese Vollkommenheit habt, dann fühlt ihr euch ganz im Inneren richtig stark. Vielen Dank, dass ihr uns wieder zugehört oder zugeschaut habt. Mein Name ist Sebastian. Meine Philippe. Bis bald.

SPEAKER_00

Vielen Dank fürs Anhören. Dieser Podcast ist eine Peak Studio-Produktion. Eine neue Folge strukturiertes Chaos erscheint alle zwei Wochen überall dort, wo es Podcasts gibt.